Kompetenznetz Adipositas

Welt-Adipositas-Tag: Regierung zum Handeln aufgefordert

München, den 10.10.2016 – Übergewicht und Adipositas, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen, stellen ein immer bedeutenderes Gesundheitsproblem dar, zu dessen Lösung die gesamte Gesellschaft, allen voran die Regierung, beitragen muss. Darauf weisen Experten des Kompetenznetzes Adipositas anlässlich des WeltAdipositas-Tages am 11.10.2016 hin.

Bereits unter Kindern und Jugendlichen sind Übergewicht und Adipositas weit verbreitet. Quelle: World Obesity (www.imagebank.worldobesity.org)

 

Rund 15 Prozent der 3- bis 17-Jährigen in Deutschland waren, nach der letzten veröffentlichten repräsentativen Studie zum Kinderübergewicht im Jahr 2006, übergewichtig, 6,3 Prozent davon adipös. Bis zum Jahr 2025 rechnet man mit 1,8 Millionen Schulkindern, die übergewichtig oder adipös sein werden. Zusammen mit der internationalen AdipositasGesellschaft (World Obesity), die mehr als 50 regionale und nationale Verbände mit über 10.000 Experten in wissenschaftlichen und medizinischen Organisationen verbindet, macht das deutsche Kompetenznetz Adipositas anlässlich des „World Obesity Day“ auf die weltweit fortschreitende Verbreitung von Adipositas, vor allem bei Kindern, aufmerksam. „Adipositas versetzt unsere Kinder in akute Gefahr, es ist Zeit, dringend zu handeln“, so fordert es das Plakat zum Welt-Adipositas-Tag der „World Obesity“. Dabei wird der Bericht der Weltgesundheitsorganisation „Ending Childhood Obesity“ aufgegriffen.

Die Deutsche Allianz Nicht-übertragbare Krankheiten (DANK), an der auch das Kompetenznetz Adipositas beteiligt ist, hat konkrete Vorschläge erarbeitet, wie Adipositas bei Kindern in Deutschland bekämpft werden kann.

Teufelskreis der Adipositas: Aus dicken Kindern werden dicke Erwachsene Die „World Obesity“ fordert die internationalen Regierungen dazu auf, Strategien zu entwickeln und Maßnahmen zu ergreifen, um insbesondere Fettleibigkeit bei Kindern zu verhindern. Das Thema Übergewicht und Adipositas bei Kindern sei ein ernstzunehmendes Problem mit schwerwiegenden Folgen, so Professor Manfred James Müller, einer der Sprecher des Kompetenznetzes Adipositas. „Aus dicken Kindern werden meist dicke Erwachsene, die ein erhöhtes Risiko für chronische Krankheiten wie Diabetes, Herz/Kreislauferkrankungen, einige Krebsarten und Gelenkerkrankungen sowie psychische Probleme haben“, erläutert Müller. Kinder und Jugendliche mit extremer Adipositas hätten zudem ein erhöhtes Risiko für eine frühe Mortalität, für zahlreiche somatische Folgeerkrankungen, soziale Isolation einschließlich Arbeitslosigkeit, die sich aufgrund funktioneller Beeinträchtigungen und der Stigmatisierung entwickelt. „Unser Lebensstil wird früh in der Kindheit geprägt. Er wird beeinflusst durch die Familie, das soziale Umfeld und weitere Lebensbedingungen. Die moderne Lebensweise verführt zu körperlicher Inaktivität und energiedichter Ernährung“, warnt der Mediziner.

Hohe Kosten für das Gesundheitssystem

Dieses schwerwiegende Problem zu lösen, sei nicht nur Sache jedes Einzelnen, sagen Experten – vor allem die Regierung sei gefragt: „Mir fehlt in der Politik das grundsätzliche Verständnis für die Probleme, die wir momentan im Zusammenhang mit Adipositas haben. Man kann im Grunde von einer Diskriminierung der Menschen mit Adipositas durch die Politik sprechen“, sagt Professor Hans Hauner, Sprecher des Kompetenznetzes Adipositas. Das Gesundheitssystem wird jedes Jahr durch Kosten für die Behandlung der Folgeerkrankungen von Adipositas mit zweistelligen Milliardenbeträgen belastet. Durch Präventionsmaßnahmen könnten diese Kosten deutlich reduziert werden. Aktuelle Studien zeigen jedoch, dass Deutschland in Sachen Prävention von Übergewicht, HerzKreislauferkrankungen, Krebs und Diabetes hinter der internationalen Entwicklung zurückliegt. „Die Komplexität des Problems ruft nach einem gesamtgesellschaftlichen Ansatz, dafür sind Strategien in Zusammenarbeit von Politik mit Betroffenen, Wissenschaftlern, Krankenkassen, Bildungseinrichtungen und anderen Stakeholdern nötig“, so Hauner.

Das Kompetenznetz Adipositas

Das Kompetenznetz Adipositas verbindet bundesweit Experten im Bereich Adipositas. Im Netzwerk organisierte Verbünde erforschen Ursachen und Risikofaktoren für die Entstehung der Adipositas. Sie entwickeln und überprüfen neue Therapien sowie Präventionsstrategien. Das Kompetenznetz stellt fundierte und verständliche Informationen für Ärzte, Verbände, Medien und Betroffene bereit. Damit sorgt das Netzwerk für eine Vernetzung und Stärkung der Adipositasforschung in Deutschland, für einen verbesserten Wissenstransfer der medizinischen Forschung und am Ende für eine bessere Versorgung der Betroffenen. Weitere Informationen finden Sie unter www.kompetenznetz-adipositas.de. Die Rubrik „Forschung kompakt“ macht Wissenschaft für Alle verständlich.

Literatur:

Abdruck honorarfrei. Belegexemplar erbeten.

Honorarfreie Bilder unter: www.imagebank.worldobesity.org

Weitere Informationen können Sie gerne anfordern bei:

Kompetenznetz Adipositas, Klinikum rechts der Isar, Technische Universität München Uptown München Campus D, Georg-Brauchle-Ring 60/62, 5. Stock, 80992 München

Dr. Christina Holzapfel, wiss. Geschäftsführerin, Telefon: +49 89 289 249 23 / Fax:+49 89 289 249 22 / E-mail: christina.holzapfel@tum.de