Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten

Offener Brief zur Nationalen Reduktions- und Innovationsstrategie

Am 26. Oktober gab die Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) eine Pressemitteilung zur Grundsatzvereinbarung für die Reduktion von Zucker, Fett und Salz des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft mit den Verbänden der Lebensmittelwirtschaft heraus. Der Bund für Lebensmittelrecht und -kunde (BLL) reagierte darauf mit einem offenen Brief, den die DANK an dieser Stelle beantwortet:

 

Sehr geehrter Herr Minhoff,


mit Interesse haben wir als Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten DANK Ihren Offenen Brief gelesen. Ich möchte Ihnen dazu kurz antworten.


Eine Information vorab: Die Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten DANK ist nicht am Runden Tisch vertreten, begrüßt aber die Initiative von Frau Klöckner durchaus. Die wenigen dort vertretenen Fachgesellschaften hatten allerdings keine Gelegenheit, an der Grundsatzvereinbarung mitzuwirken, da das Dokument dort nicht diskutiert, sondern lediglich präsentiert wurde und es sich um eine Vereinbarung zwischen Ministerium und Industrie handelt. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) und andere Fachgesellschaften haben von Anfang an beim Runden Tisch die Notwendigkeit von verbindlichen und zeitnahen Maßnahmen deutlich gemacht, sowohl mündlich als auch schriftlich. Wir als Ärzte und Wissenschaftler, die tagtäglich die von nichtübertragbaren Krankheiten betroffenen Menschen behandeln und beraten, sehen es als unsere Verpflichtung an, uns in ihrem Sinne für wirksame und zügige Lösungen öffentlich einzusetzen.


In einem Punkt stimmen wir Ihnen zu: Die Daten sind schauerlich. Leider entsprechen Sie der Realität. Allein für Diabetes Typ 2 erfassen wir in Deutschland über 300.000 Neu-Diagnosen pro Jahr (1). Nach Schätzungen der WHO sind 60 bis 85 % davon durch Übergewicht bedingt – bei 60 % sind dies etwa 180.000 vermeidbare Diabetesfälle pro Jahr (2). Jede Intervention, die geeignet ist, Übergewicht zu verringern – wie eine deutliche Reduktion von Zucker und Fett in Fertiglebensmitteln – könnte daher Zehntausende neuer Diabetesfälle jährlich verhindern. Auch die Hersteller könnten also dazu beitragen, Leben zu retten. Denn Diabetes und andere Folgeerkrankungen von Adipositas bedeuten für viele Betroffene ein vorzeitiges Versterben.

Daher sollten die notwendigen Reduktionsschritte so schnell wie irgend möglich eingeleitet werden. Eine langsame Reduktion über sieben Jahre (!) bis zur Erreichung der Zielmarke erscheint uns doch von Ihrer Seite sehr wenig ehrgeizig – und bedeutet für die Jahre, in denen Maßnahmen noch nicht umgesetzt werden, obwohl dies technologisch möglich wäre, Zehntausende vermeidbarer neuer Fälle nichtübertragbarer Krankheiten. Dieser Verantwortung muss sich Ihr Verband stellen.


Leider stellen Sie in Ihren Fragen erneut grundsätzlich den Zusammenhang zwischen zucker- und fettreichen Lebensmitteln und Übergewicht in Frage. Dies verstärkt unsere in der Pressemitteilung geäußerte Befürchtung, dass die Reduktion langsamer ausfallen wird als nötig und als möglich.


Gern lassen wir uns aber positiv überraschen. Dürfen wir Ihr Schreiben als Ankündigung verstehen, dass unsere Bedenken unbegründet sind, weil Ihre Mitgliedsunternehmen bis Jahresende eine Strategie für einen wirklich ehrgeizigen ersten Reduktions-Schritt vorlegen werden – und dass sie diesen bis Herbst 2019 auch tatsächlich umsetzen? Wir werden dies aufmerksam verfolgen.


Mit freundlichen Grüßen
Barbara Bitzer
Sprecherin Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten DANK

 

Die vorangegangen Dokument sowie die Antwort als PDF finden sie hier: